Ein Bericht über die Entwicklung und Professionalisierung des BarcampHamburg und der Barcamps generell.

Barcamp HH(Photo)
Die Abschlusssession mit dem wertvollen Feedback der Teilnehmer

Das erste BarcampHamburg in 2007

In 2007 startete der Werdegang des BarcampHamburg. Es fand zum ersten, letzten und einzigen Male in den Hallen von drei vielversprechenden Startups (Cellity, Weblin und Sofatronic) statt. Ich erinnere mich noch an knallwarme und enge Räume voller Fremden, die in Schaaren auf dem Boden saßen. Denn damals, in 2007, kannte niemand niemanden. Wir waren nicht miteinander vernetzt, ein Großteil der Leute twitterte noch nicht und die Bewirtung des Camps könnte man als recht spartanisch beschreiben.

Die ersten Treffen der Web-Szene

Es war die Zeit in der zahlreiche Startups gegründet wurden, aber alle für sich alleine kämpften und lernten, weil man eben kaum Gleichgesinnte für einen Austausch kannte. Ich habe damals sehr aktiv gebloggt, mein „Das erste deutsche Twitter-Handbuch“ auf meinem Blog „WebworkBlogger“ sammelte täglich Backlinks und war für fast zwei Jahre in den Top 30 der deutschen Blogcharts. Aber meine Leser kannte ich nicht, ganz zu Schweigen von den Kommentatoren, die aus dem Nichts erschienen und Kommentare hinterließen. Das waren spannende Zeiten, geprägt von einer starken Aufbruchsstimmung und dem Hunger, mehr zu lernen und mehr zu machen.

Keiner wusste, was einen erwartet, einzig ein simples Wiki ermöglichte es, seinen Namen in eine Textliste einzutragen und zu hoffen, dass diese „Anmeldung“ reicht. 200 Personen waren damals angemeldet, ich selbst bin mit der Mitfahrzentrale angereist und wurde fünfeinhalb Stunden lang von einem riesigen, weniger wohlriechenden Hund auf dem Rücksitz besabbert. Mein Anzug (es war ja schließlich irgendeine Form von Konferenz) wurde ruiniert und ich musste sehr bald lernen, dass ein Anzug nicht unbedingt zum Standardoutfit eines Barcamps gehört. Fun Fact am Rande: Ich habe knapp 50% der Teilnehmer des ersten BarcampHamburgs im letzten Jahr auf einem Web-Event wiedertreffen können.

Wohin das BarcampHamburg sich heute entwickelt hat

Diese ersten Barcamps legten einen Grundstein für die heutige Webszene. Wer nun zum BarcampHamburg kommt, kann sich diese Anfänge schon gar nicht mehr vorstellen. Denn das BarcampHamburg bietet seinen Teilnehmern eine Menge:

  • Bestmögliche Organisation
  • Platz für über 400 Personen
  • Location: OTTO Unternehmenszentrale
  • Knapp 70 Sessions pro Tag
  • Reichhaltige Verpflegung mit Rücksicht auf besondere Essgewohnheiten
  • Viele Möglichkeiten für den kleinen und großen Plausch fernab der Sessions
  • Ein ganz großer Raum für besonders beliebte Sessions und zahlreiche verschiedene Räume verschiedenster Größen
  • Abendprogramm, Abendverpflegung und so viel mehr
  • Zahlreiche Sponsoren, die ein so umfassendes Barcamp überhaupt möglich machen

Die Themenvielfalt der Barcamps

Wie es auf einem generellen Barcamp üblich ist, war die Themenvielfalt im Vergleich zu einem Themencamp sehr weit gefächert. Die Vielfalt spielt dabei eine übergeordnete Rolle und dient als Inspiration und Gesprächseröffnung für die Teilnehmer. Im Gegensatz zu den Themencamps ist dafür die Tiefe geringer, da sich die meisten Sessions nicht um die verschiedenen Aspekte eines bestimmten, gemeinsamen Themas drehen.

Einen guten Einblick über die Themenvielfalt verschafft das zentrale Sessionboard, auf dem alle zu Beginn vorgestellten Sessions der Teilnehmer aufgehängt werden.

Sessionboard1(Photo)
Sessionboard2(Photo)

Besonders hervorheben möchte ich folgende Sessions des ersten Tages:

  • Digitaler Wandel – Wo stehen wir
  • Influencer Relations – Umgang & Case mit kritischer Community
  • Porno – Eine Beleuchtung der sehr fortgeschrittenen Maßnahmen für Marketing, Nutzer-Bindung sowie -Analyse auf Internet-Angeboten, die sich an Erwachsene richten
  • Achtung! The Lab – Get to know us BLOGGER RELATIONS
  • Facebook ist ein Marketing-Kanal – kommt damit klar!
  • Content Marketing Workflows für Fortgeschrittene (von mir selbst angeboten)
  • Berufsbilder Social Media & Community Manager
  • #Social Chocolate – aus der Social Media Redaktion von Ritter Sport
  • Best of 165+ Social Media Tools (ebenfalls von mir angeboten)
  • Strom – Alles wird gut
  • Wissensmanagement – Wie mach ichs richtig?

 
Der gesamte Sessionplan des BarcampHamburgs 2014 ist online verfügbar. Die Dokumentation der Sessions wird im Netzwerk des Barcamps gesammelt (Login erforderlich).

Was haben die letzten Barcamp-Jahre uns als Community gebracht?

Wir sind sehr stark vernetzt. Mit den meisten Personen startet man das Gespräch im Folgejahr genau an der Stelle, an der man im letzten Jahr aufhören musste. Oder man hat sich in der Zwischenzeit weiter ausgetauscht. Diese enge Vernetzung hat zu diversen Kooperationen, gemeinsamen Projekten und sogar Startups geführt. Wir teilen Ressourcen und können uns bei kniffligen Fragestellungen auf Hilfe aus dem Netzwerk verlassen und diese Hilfe auch zurückgeben. Einige haben sich aus dieser Szene auch zurückgezogen, sind aber größtenteils immer noch für das Netzwerk erreichbar. Fun am Rande: Klickt man die Webseiten und Dienste von den diversen Teilnehmern des ersten Barcamps durch, landet man auf den wildesten Seiten. Teilweise wurden die URLs von Nachfolgern übernommen, aber größtenteils findet man ein seltsames Sortiment an Spammern.

Wie haben sich die Barcamps verändert?

Viele Aspekte der Barcamps sind nun sehr anders als zu den Anfängen. Das BarcampHamburg ist dabei besonders, weil es einige der guten Veränderungen geprägt hat. Folgende Änderungen wären zu den Anfängen der Barcamps in Deutschland undenkbar gewesen, sind aber heute Normalität:

+ Barcamps an den Tagen Freitag & Samstag, anstelle von Samstag & Sonntag.
Dies machen nicht alle Camps, aber ausgerechnet Hamburg hat dies geprägt und ich unterstütze dies sehr. Einerseits verliert man nicht das gesamte Wochenende, andererseits ermöglicht es ein ganz anderes Publikum an beiden Tagen.

+ Anmeldung über etwas Besseres als eine text-basierte Wiki-Liste
Schaut man sich die Anmeldung damals an, bekommt man das Grauen. Völlig unverifizierte Eintragungen, keine Kontaktmöglichkeiten für wichtige Informationen (keine Mailing-Liste) und ein starkes Ausschlusspotenzial für weniger Versierte. Ich erinnere mich noch an diverse, sehr frühe Barcamps, an denen man den aktiven Zugang zum Wiki gehandelt hat, denn es konnte sich immer nur eine Person bearbeitend in das Wiki eintragen.

+ Kleine Teilnahmebeiträge
Hier hat das BarcampHamburg erst spät nachgezogen, die ersten Camps mit einem solchen Teilnahmebeitrag waren im Themencamp-Umfeld zu finden. Es ist zugegebener Maßen ein wenig umstritten, ob diese Maßnahme einer der Hauptprobleme der Bar-/Themencamps wirklich lindert. Die No-Show Rates sind auf fast allen Camps gesunken, die eine Teilnahmegebühr haben. Dies mag zwar nur eine statistische Korrelation sein, dennoch glaube ich, dass No-Shows sich auch dauerhaft durch eine solche, kleine (!) Teilnahmegebühr mindern lassen.

+ Integrierte Abendveranstaltung vor Ort
Dies ist im eigentlichen Barcamp-Spirit enthalten, da man auf einem US-amerikanischen oder auch britischen Barcamp übernachtet. In unserer eingedeutschten Form der Barcamps hat es dieser Aspekt nie in den Mainstream geschafft. Schön, dass darauf dennoch mehrere Camps in Deutschland großen Wert legen, wie z.B. das BarcampHamburg oder das BarcampRuhr.

+ Gründliche Versorgung mit Essen und Trinken
Auch dies ist in den Ursprüngen nicht selbstverständlich. Ich bin kein Freund der üppigen Verpflegungen, es ist aber wohl sehr förderlich, wenn man sich darum keine Sorgen machen muss oder sogar den Veranstaltungsort deshalb verlassen muss.

Zahlreiche weitere Dinge lassen sich hier noch auflisten. Über diese Punkte möchte ich aber noch getrennt schreiben.

Dieses Jahr wurde es knapp

Das BarcampHamburg hat nicht nur eine besondere Professionalisierung durchlaufen und setzt hohe Qualitätsstandards, es ist auch noch das letzte große, generelle „Breiten-Barcamp“ seiner Art in Deutschland. Die anderen, vergleichbar großen Barcamps (Berlin, München in seinen ersten Iterationen) finden nicht mehr oder nur sehr sporadisch statt. Selten werden diese Camps wirklich erfolgreich wiederbelebt, zum Glück trotzte hier das BarcampCologne dieses Jahr. Aus diesem Grund ist das BarcampHamburg doppelt wichtig: Es beweist, dass Breiten-Barcamps immer noch ihren Platz haben neben den erfolgreichen, aber auch kleinen Themencamps. Immerhin haben die Themencamps ihr Dasein den generellen Barcamps zu verdanken.

Leider hat das BarcampHamburg dieses Jahr nicht die notwendigen Sponsoren gewinnen können. Nur ein Hilferuf konnte das Sponsoring und damit auch das Barcamp retten. Dies mag auch vielleicht die Erklärung sein, wieso das Orga-Team sowie die Teilnehmer sich eindringlicher als üblich bei den Sponsoren bedankt haben.

Das BarcampHamburg ist nicht das einzige Barcamp, dass trotz großer Erfolge einen kurzfristigen Einbruch beim Interesse der Sponsoren hinnehmen musste. Zahlreiche weitere Barcamps mussten in den letzten Jahren verschoben werden, da die notwendigen finanziellen Mittel fehlten. Ich sehe diese Entwicklung als Warnschuss. Manche Barcamps haben recht feste Sponsoren und bekommen das Sponsoring schon auf dem Event für das Folgejahr organisiert, andere müssen hart kämpfen. Dies liegt einerseits daran, dass ein Großteil der Sponsoren persönliche Kontakte sind, die Barcamps kennen, verstehen und unterstützen wollen. Wechselt ein solcher Ansprechpartner das Unternehmen, sind der Kontakt und die Überzeugungskraft dahin.

Für den Fortbestand der Barcamps sind zwei Faktoren besonders wichtig:

1. Eine perfekte Dokumentation
Ausgerechnet die beiden Hauptfragen, die man als Teilnehmer vor einem Event hat, können von einem Barcamp meistens nicht beantwortet werden:
„Welche Themen wird es geben?“ und „Wer kommt denn alles?“

Deshalb ist die Dokumentation so wichtig, weil dadurch angehende Sponsoren und Interessenten besser abschätzen können, ob es sich lohnt zu kommen.

2. Viele Neulinge und nicht nur alte Hasen
Wenn zu Barcamps immer nur die gleichen Leute kommen, kann die Idee sich schwer weiter verbreiten. Somit bleibt auch das Verständnis auf einen kleinen Kreis beschränkt, wie spannend ein Barcamp sein kann. Das BarcampHamburg hat es in 2014 geschafft, ein gutes Drittel der Teilnehmer aus völligen Neulingen zu gewinnen, die zuvor noch nie auf einem Camp waren. Dies trägt hoffentlich dazu bei, die Idee des freien Wissenstausches zu verbreiten.

Weiterführende Links und Berichte:

Barcamp Hamburg 2014: mein Twitter-Rückblick (#bchh14)
Eine sehr schöne und aufschlussreiche Sammlung an Zitaten (Tweets) zum Barcamp.
https://sozialgeschnatter.wordpress.com/2014/11/09/barcamp-hamburg-2014-mein-twitter-ruckblick-bchh14/

Barcamps? Totgesagte leben länger! Mein Rückblick auf das Hamburger Barcamp und rockende Kinder!
Schöner, ausführlicher Bericht.
http://hubert-mayer.de/barcamp-hamburg-2014-rueckblick/

Großartiges #bchh14
Großartiger Bericht mit vielen Bildern und Eindrücken
http://www.sabstern.de/grossartiges-bchh14/

Der Social Buzz zum BarCamp Hamburg
http://www.brandwatch.com/de/2014/11/der-social-buzz-zum-barcamp-hamburg/
Dieser Beitrag lässt sich am Besten durch diesen Tweet beschreiben:

Für Nostalgiker: Ein Bericht aus 2008
Hätte der Bericht nicht auch schon aus 2014 stammen können
http://www.webmatch.de/blog/bchh08/

Das neue Event-Netzwerk für das BarcampHamburg ist hier:
https://barcamp-hamburg.tixxt.com/

Ein großes Danke an die Sponsoren:

(Diese Aufzählung kann gerne für andere Blogposts weiter genutzt werden. Ich empfehle diese Version zu nehmen, da diese schon die korrekten Bildadressen von nach dem Umzug beinhaltet)

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