Fluktuationsrate berechnen

Das sagen die Zahlen aus

Fluktuation ist ein natürlicher Bestandteil eines jeden Unternehmens. Allerdings sollte eine dauerhaft hohe Fluktuationsrate alarmieren, denn sie macht auf tiefere Probleme aufmerksam. Um diese frühzeitig erkennen und ihnen entgegenwirken zu können, kann es sich lohnen diese Rate im Blick zu behalten. Doch was sagt die Fluktuationsrate noch aus, wie wird sie berechnet und wie hoch ist sie in verschiedenen Branchen?

Mann vor blauem Hintergrund schaut ernst und zeigt mit Zeigefinger nach links
Autor:in
Jacob Fitz
Datum
07.07.2025
Lesezeit

5 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

Die Fluktuationsrate zeigt, wie viele Mitarbeitende ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verlassen, und dient als Frühindikator für mögliche strukturelle Schwächen. Während Werte zwischen 8 – 12 % als gesund gelten, können deutlich höhere Raten auf saisonale Arbeitsverträge, Fachkräftemangel oder eine geringe Mitarbeiterbindung hindeuten und als ungesund gedeutet werden. Die Schlüter- oder BDA-Formel berechnen die Fluktuationsrate. Das Ergebnis der Berechnung und der Vergleich mit dem Branchendurchschnitt unterstützen dabei, gezielt Maßnahmen zur Stabilisierung zu entwickeln.

Was ist die Fluktuationsrate?

Die Fluktuationsrate gibt Auskunft darüber, wie viele Mitarbeitende ein Unternehmen innerhalb eines Zeitraums (typischerweise ein Jahr) verlassen haben. Dazu zählen Kolleg:innen, die ihren Arbeitsvertrag selbstständig gekündigt haben oder gekündigt wurden, innerhalb des Unternehmens versetzt wurden und auch diejenigen, die in den Ruhestand gegangen oder verstorben sind.

Die Fluktuationsrate kann entweder für das gesamte Unternehmen oder für einzelne Abteilungen erfasst werden und so intern verglichen werden, um unter anderem herauszufinden, welche Abteilungen von einer besonders hohen Fluktuationsrate betroffen sind und gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen sollten.

Branchenvergleich: So unterscheidet sich die Fluktuationsrate

In ihrem Bericht für die Jahre 2021 und 2022 hat die Bundesagentur für Arbeit die Fluktuationsrate verschiedener Branchen in Deutschland ermittelt. Die Einschätzung der Fluktuationsrate variiert je nach Branche stark. Generell gelten allerdings Fluktuationsraten von unter 15 % als stabil und zwischen 8 und 12 % als gesund.

Der Bericht zeigt, wie stark die Raten sich in einigen Branchen unterscheiden:

  • Arbeitnehmerüberlassung: 130,7 % (2022). Besser bekannt als “Leih- oder Zeitarbeit” ist es in dieser Branche üblich, nur für einen sehr begrenzten Zeitraum für das jeweilige Unternehmen tätig zu sein. Typische Berufe sind dabei Logistik- oder Sicherheitsdienstleister, die oft nur für eine bestimmte Lieferung oder ein einzelnes Event beauftragt werden, wodurch die hohe Fluktuationsrate zustande kommt.
  • Land- und Forstwirtschaft, Fischerei: 74,7 % (2022). Diese hohe Fluktuationsrate hängt vor allem damit zusammen, dass Arbeitsverträge häufig saisonal beschränkt sind und Mitarbeitende dadurch selten längerfristig für das gleiche Unternehmen tätig sind.
  • Gastgewerbe: 62,3 % (2022). Auch in der Gastronomie sind häufige, saisonbedingte Wechsel üblich. Außerdem lebt diese Branche auch zum Teil von Aushilfen, Schüler:innen und Studierenden, welche meist nur für eine befristete Zeit im gleichen Betrieb tätig sind.
  • Information und Kommunikation: 58,0 % (2022). In der IT-Branche ist die hohe Fluktuation durch einen hohen Wettbewerb um Fachkräfte und einer daraus resultierenden hohen Wechselbereitschaft der Mitarbeitenden zu begründen. 
  • Bundesdurchschnitt: 31,6 % (2022). Die durchschnittliche Fluktuationsrate in Deutschland zeigt, wie hoch der Bedarf an Mitarbeitenden ist. Vielen Arbeitnehmende sind daher bereit, ihren Arbeitsplatz zu wechseln, wenn sie beispielsweise ein attraktiveres Angebot erhalten.
  • Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung und externe Organisationen: 13,8 % (2022): Die Verwaltungsbranche ist die einzige, die 2022 unter 15 % Fluktuationsrate lag. Diese Entwicklung hängt vor allem mit hoher beruflicher Stabilität und Sicherheit sowie vielen unbefristeten Arbeitsverträgen zusammen, die für eine hohe Mitarbeiterbindung sorgen. Außerdem ist die Branche meist weniger umkämpft und gerade staatliche Einrichtungen können untereinander meist nicht mit wesentlich besseren Konditionen werben. 

Fluktuationsraten-Rechner

Um herauszufinden, wie hoch die Fluktuationsrate im eigenen Unternehmen ist, kann diese einfach mithilfe der Schlüter- oder der BDA-Formel berechnet werden:

Die Schlüter-Formel: Freiwillige Abgänge / (Personalbestand zu Beginn eines Zeitraums + Neueinstellungen) x 100

Die BDA-Formel: Freiwillige Abgänge / Durchschnittlicher Personalbestand des Zeitraums x 100

Um die beiden Formeln besser zu verstehen, werden sie im Folgenden an einem Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitenden angewandt:

Beispielberechnung Der Fluktuationsrate

Fazit

Die Zahlen richtig nutzen

Die Fluktuationsrate ist ein wichtiger Indikator für den Zustand und die Stabilität eines Unternehmens. Sie zeigt, wie viele Mitarbeitende das Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verlassen und kann so frühzeitig auf Probleme oder Verbesserungsbedarf hinweisen. Während moderate Fluktuationsraten zwischen 8 % – 12 % als gesund gelten, können deutlich höhere Werte auf Herausforderungen wie saisonale Beschäftigung, starken Wettbewerb oder eine geringe Mitarbeiterbindung hindeuten.

Der Branchenvergleich verdeutlicht, wie unterschiedlich Fluktuationsraten ausfallen können. In Branchen wie der Arbeitnehmerüberlassung oder dem Gastgewerbe sind hohe Wechselzahlen aufgrund der Art der Beschäftigung üblich, während Bereiche wie die öffentliche Verwaltung durch stabile Arbeitsverhältnisse und langfristige Verträge eine wesentlich geringere Fluktuation aufweisen.

Für Unternehmen ist es daher sinnvoll, die eigene Fluktuationsrate regelmäßig zu berechnen, etwa mit der Schlüter oder BDA Formel, und mit Branchendurchschnitten zu vergleichen. Im Anschluss lassen sich gegebenenfalls Maßnahmen entwickeln, um die Mitarbeiterbindung zu stärken und negative Auswirkungen einer zu hohen Fluktuation zu vermeiden.

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Fluktuationsrate: Die wichtigsten Kennzahlen erkennen und verstehen

Die Fluktuationsrate zeigt, wie viele Beschäftigte ein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum verlassen. Eine hohe Rate kann auf strukturelle Probleme hinweisen. Maßnahmen wie Feedback, klare Kommunikation und Fokus auf Zufriedenheit helfen, gegenzusteuern.

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