Führungsstile: Definition, Arten & Beispiele
Unternehmensführung nach Schema?
Ein Unternehmen zu führen, erfordert ein durchdachtes System, welches sowohl die wirtschaftlichen als auch die menschlichen Aspekte abdeckt, welche eine Rolle innerhalb der Unternehmenskultur spielen. Um diese Aufgabe zu erleichtern, wurden bereits vor über 100 Jahren verschiedene Führungsstile entwickelt. Sie sollen nicht nur vielen Führungskräften als Grundlage zur Führung dienen, sondern auch zu einem allgemein tieferen Verständnis der Unternehmensführung beitragen. Doch welche Führungsstile gibt es überhaupt, wo liegen ihre Unterschiede und welche sind heute noch zeitgemäß?
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Führungsstil Definition
Was ist eigentlich ein Führungsstil?
Unter dem Begriff “Führungsstil” versteht man wiederkehrende und sich ständig wiederholende Verhaltensweisen, welche Führungskräfte an den Tag legen, um ihr Unternehmen und ihre Mitarbeitenden zu führen. Dabei kann die jeweilige Führungskraft aus verschiedenen Führungsstilen wählen. Diese Wahl hat einen direkten Einfluss auf die Unternehmenskultur, sowie das Arbeitsklima innerhalb des Teams. Die meisten der heute bekannten Führungsstile wurden von Max Weber oder Kurt Lewin im 20. Jahrhundert entwickelt. Auch wenn diese teilweise bis heute genutzt werden, entwickelt sich die Art der Unternehmensführung stetig weiter und so sind in vielen Unternehmen häufig Abwandlungen oder Hybride der klassischen Führungsstile zu finden.
Die 4 Führungsstile nach Max Weber
Der Soziologe Max Weber (1864 – 1920) setzte sich zeit seines Lebens sehr viel mit der menschlichen Psyche auseinander, dabei war eine seiner zentralen Fragen „warum lassen sich Menschen beherrschen?“. In dem Begriff der Macht verstand Weber die Möglichkeit eines einzelnen Menschen, einen anderen nach seinem Willen handeln zu lassen. Ob diese Ausübung von Macht mit Gewalt verbunden ist, hielt er dabei offen. Vielmehr erkannte er, dass subtilere Mittel der Machtausübungen, wie eine strenge Überwachung oder klare Verhaltensregeln, eine entscheiden Rolle bei der Führung von Menschen spielen.
Aus seinen Erkenntnissen resultierend definiert Weber in seinem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ vier idealtypische Führungsstile:
Autokratischer Führungsstil
Effizienz durch klare Strukturen
Der autokratische Führungsstil ist auf die uneingeschränkte Macht einer einzelnen Führungskraft aufgebaut, welche Entscheidungen alleine trifft, Aufgaben delegiert und die Ausführung dieser streng überwacht. Die Mitarbeitenden haben keinerlei Mitspracherecht oder kreative Freiheit bei der Ausführung ihrer Aufgaben, sondern müssen nach klaren Regeln und Vorgaben handeln.
Patriarchalischer Führungsstil
Das Unternehmen als Familie?
Bei dem patriarchalischen Führungsstil ist die Struktur des Unternehmens mit der einer Familie vergleichbar: An der Spitze steht ein Oberhaupt, welches Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt, die restlichen Familienmitglieder, bzw. Mitarbeitenden, führen die vorgegebenen Aufgaben aus. Dieser Führungsstil hat ebenfalls die Besonderheit, dass die Führungskraft sich fürsorglich, aber auch sehr bestimmt um ihr Team kümmert.
Bürokratischer Führungsstil
Führung nach Vorschrift
Der bürokratische Führungsstil baut, ähnlich wie der autokratische Führungsstil, auf klare Vorgaben auf. Allerdings stammen diese nicht von einer Führungskraft, sondern wurden auf Grundlage von Gesetzen und Regeln erstellt. Mitarbeitende und Führungskräfte dienen bei diesem Führungsstil lediglich zur Ausführung der Aufgaben und können bei Bedarf jederzeit ausgetauscht werden.
Charismatischer Führungsstil
Leadership durch Ausstrahlung
Eine charismatische Führung zeichnet sich vor allem durch eine zentrale Führungskraft aus, welche nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern in vielen Fällen, auch öffentlich als Unternehmensführung auftritt. Diese Rolle wird meist vom Unternehmensgründer übernommen, welcher zugleich auch die Richtung des Unternehmens vorgibt.
Die 3 Führungsstile nach Kurt Lewin
Neben Max Weber entwickelte der Psychologe Kurt Lewin (1890 – 1947) im Rahmen einer Studie im “Journal of Social Psychology” aus dem Jahr 1939 ebenfalls drei Führungsstile:
Um zu untersuchen, wie Mitarbeitende auf die verschiedenen Führungsstile reagieren würden, teilte er Schüler:innen in drei verschiedene Klassen ein, in welchen sie verschiedene Kunst- und Handwerksprojekte erledigten mussten. Die Lehrkräfte der verschiedenen Klassen vertraten je einen der drei Führungsstile. Das Ergebnis: Die Klasse, in welcher die Lehrperson den kooperativen Führungsstil vertrat, erzielte die besten Resultate.
Autoritärer Führungsstil
Führung durch Kontrolle
Der autoritäre Führungsstil spielt sich komplett um die Führungskraft ab. Diese gibt nicht nur die Richtung des Unternehmens an, sie trifft auch alle Entscheidungen ohne den Einbezug verschiedener Meinungen und delegiert dabei Aufgaben. Das Verhältnis zwischen der Führungskraft und den Mitarbeitenden ist meist sehr distanziert und spielt sich rein auf einer beruflichen Ebene ab.
Kooperativer Führungsstil
Gemeinsam zum Ziel
Eine kooperative Führungskraft arbeitet mit ihrem Team zusammen, sodass Entscheidungen gemeinsame getroffen werden, es wird offen und ehrlich miteinander kommuniziert und Mitarbeitenden wird viel Eigeninitiative zuteil. Es gibt dennoch klare Hierarchien und die Verantwortung wird weiterhin von Führungskräften übernommen.
Laissez-faire-Führungsstil
Führung durch Vertrauen
Ein Laissez-faire geführtes Unternehmen verzichtet darauf, seine Mitarbeitenden regelmäßig zu kontrollieren. Führungskräfte setzen darauf, ihrem Team die Vorgehensweise ihrer Arbeit selbst zu überlassen, die Mitarbeitenden tragen dabei allerdings auch die Verantwortung für ihr Handeln. Diese Art der Führung führt im besten Fall zu gegenseitiger Entlastung und einem hohen Maß an Vertrauen innerhalb des Teams.
Demokratischer Führungsstil
Die fairste Art des Führens?
Zusätzlich zu den von Weber und Lewin entwickelten unterschiedlichen Führungsstilen gibt es ebenfalls den demokratischen Führungsstil. Dieser ähnelt zwar in einzelnen Aspekten dem kooperativen Führungsstil, allerdings gibt es dort auch Unterschiede. Doch worin genau unterscheiden sich diese beiden Führungsstile und was macht eigentlich den demokratischen Führungsstil aus?
Welche Führungsstile sind zeitgemäß?
Unternehmen sowie die Führungsweise dieser sind im stetigen Wandel, heute schneller als je zuvor. Ist es daher noch sinnvoll, ein Unternehmen nach Stilen zu führen, welche teilweise über 100 Jahre alt sind? Auch wenn Weber und Lewin zu ihren Zeiten als visionär galten, lassen sich die von ihnen entwickelten Führungsstile nur noch sehr selten auf moderne Unternehmen anwenden. Sie stammen aus einer Zeit, in der Themen wie die zunehmende Globalisierung oder Digitalisierung, noch keine Rolle in der Unternehmenskultur spielten. Heutzutage wird in Unternehmen nur noch selten ein einzelner Führungsstil genutzt. Die Art der Führung setzt sich vielmehr aus verschiedenen Stilen zusammen, welche häufig auch an die Bedürfnisse und Kultur des jeweiligen Unternehmens angepasst werden.
Die 4 Mitarbeitertypen
Neben den vielen verschiedenen Führungsstilen gibt es auch verschiedene Mitarbeitertypen. Diese kann sind vergleichbar mit Archetypen und zeichnen einen groben Querschnitt aus verschiedenen Mitarbeitenden. Damit kann man zwar nicht alle Mitarbeitenden eines Unternehmens unterteilen bzw. das Modell blind auf jede:n anwenden, es dient aber zur Orientierung. Führungskräfte können so zum Beispiel gezielt die Stärken einzelner Mitarbeitenden fördern, indem sie ihnen bestimmte Aufgaben übertragen oder sie in einem Team bzw. alleine arbeiten lassen. Dabei wird zwischen vier verschiedenen Mitarbeitertypen unterschieden:
Dominant
Ein dominanter Mitarbeitender ist in erste Linie ergebnisorientiert. Er hat typischerweise einen starken Willen und übernimmt gerne Verantwortung, wodurch sein Auftreten oft sehr selbstbewusst und bestimmt wirkt. Er bringt seine Meinung gerne ein und scheut sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu arbeiten.
Initiativ
Auch ein initiativer Mitarbeitender bringt sich gerne ein und strebt in der Regel nach neuen Aufgaben. Im Gegensatz zu einem dominanten Mitarbeitenden ist er allerdings nicht so willensstark, er wirkt dadurch meist gut an einem Projekt oder einer Aufgabe mit, dient aber eher selten als Initiator:in.
Gewissenhaft
Für gewissenhafte Mitarbeitende spielt vor allem die Qualität ihrer Arbeit eine wichtige Rolle. Sie gehen ihr überwiegend sehr analytisch und genau nach. Da sie eher zurückgezogen arbeiten, entfalten sie häufig das meiste Potenzial, wenn sie einer Aufgabe alleine nachgehen.
Stetig
Stetige Mitarbeitende arbeiten mit einem hohen Maß an Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Geduld an einer Aufgabe. Sie zeichnen sich oft durch ihre Bescheidenheit aus, wodurch sie vor allem in einem Team aufgehen, anstatt alleine an einem Projekt zu arbeiten.
Mitarbeiterführung
Wie gelingt die Leitung?
Nicht nur die Mitarbeitenden spielen innerhalb des Unternehmens eine wichtige Rolle, auch die Führungskräfte und ihre Art zu führen ist ein zentraler Aspekt der Unternehmensführung. Dabei geht es um mehr als die Wahl des passenden Führungsstils, es geht darum, dass die Führungskräfte ihren Mitarbeitenden Gehör schenken und auf ihren Input eingehen.
Fazit
Wie wirken sich Führungsstile in Unternehmen aus?
Führungsstile sind ein entscheidender Bestandteil der Unternehmensführung, da sie maßgeblich das Arbeitsklima, die Motivation der Mitarbeitenden und die Unternehmenskultur beeinflussen. Die von Max Weber und Kurt Lewin entwickelten Führungsstile bieten wertvolle Grundlagen, die auch heute noch in verschiedenen Varianten Anwendung finden. Dabei haben sich die Anforderungen an Führungskräfte im Laufe der Zeit gewandelt. Die zunehmende Digitalisierung, Globalisierung und die sich verändernden Bedürfnisse der Mitarbeitenden erfordern eine flexible und anpassungsfähige Führung.
Ein einzelner Führungsstil allein ist heute oft nicht mehr ausreichend, um den komplexen Anforderungen eines Unternehmens gerecht zu werden. Vielmehr erfordert moderne Führung die Fähigkeit, verschiedene Stile zu kombinieren und flexibel auf die Situation sowie die individuellen Bedürfnisse des Teams und des Unternehmens zu reagieren. Ein demokratischer oder kooperativer Ansatz kann in vielen Fällen zu besseren Ergebnissen führen, da er die Eigenverantwortung und die Kreativität der Mitarbeitenden fördert. Gleichzeitig erfordert die ständige Anpassung an neue Herausforderungen und die Entwicklung von Führungskompetenzen auch eine kontinuierliche Reflexion und Weiterbildung der Führungskräfte.
Letztlich zeigt sich, dass die klassischen Führungsstile wertvolle Impulse geben, jedoch in einer dynamischen, globalisierten Arbeitswelt oft in hybriden Modellen oder neuen Formen der Zusammenarbeit aufgehen. Wer also erfolgreich führen möchte, muss sich nicht nur auf bewährte Modelle verlassen, sondern auch bereit sein, neue Wege zu gehen und Führung immer wieder an die Bedürfnisse des Unternehmens und seiner Mitarbeitenden anzupassen.
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