Brücke der Enterprise

Die Bilder von Googles Büros, die mit Spielplätzen mehr gemein haben als mit einem Arbeitsplatz, gehen seit Jahren um die Welt. Hier wird visionäres Raumdesign in die Realität umgesetzt. Dass die Digitale Transformation Arbeitsplätze verändert, ist nicht das Einzige, was auf das Unternehmen der Zukunft zukommt. Innovationen werden in vielen Bereichen nötig sein. Vor allem bezüglich Strategie, Unternehmenskultur und -aufbau, sowie Mitarbeiterschaft und Kommunikation.

Der Trend geht in Richtung Start-Up Mentalität

Viele Firmen haben angefangen, ihre Unternehmenskultur deutlich aufzulockern. Angefangen beim „Casual Friday“, an dem sogar in großen Geldinstituten der Dresscode gelockert wird bis zu Gratis-Kaffee für alle Angestellten in vielen Unternehmen oder die Möglichkeit das Haustier mit an den Arbeitsplatz zu bringen. Diese Trends kommen direkt aus der Internet-Start-Up-Szene. Ob Gratis-Obst bei Google oder freies Wohnen im Büro. So werden bei Careerloft Praktikanten direkt im Loft-Büro untergebracht. Start-Ups sind die Impulsgeber für ein neues Miteinander im Unternehmen. Auch die Abflachung von Hierarchien ist ein klassisches Merkmal von Start-Up Unternehmen. Der Gedanke, dass Menschen auf einer Ebene produktiver zusammenarbeiten können setzt sich zunehmend in klassischen Unternehmen durch. „Team-Work“ ohne Hierarchie oder feste Zielvorgaben gilt oftmals als Allheilmittel. Allerdings werden hier nach wie vor viele Fehler gemacht, sodass häufig nicht das Potential der Teams ausgeschöpft wird. Doch um den Arbeitsplatz fit für die Zukunft zu machen, braucht es mehr als ein bisschen Obst und den Hund unter dem Schreibtisch.

Herausforderungen der Zukunft

All diese Maßnahmen sind zwar nett und sorgen dafür, dass Mitarbeiter sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, sie stellen aber nicht die grundlegenden Veränderungen dar, die im Zuge der Digitalen Revolution und durch die Globalisierung nötig werden. Vor allem die folgenden vier Punkte erfordern einen echten Paradigmenwechsel, um Arbeitsverhältnisse und -plätze zukunftsfähig zu machen:

1. Demographischer Wandel
Das Thema der Zukunft wird nicht mehr die Arbeitslosigkeit sein, sondern die Frage, wie Unternehmen möglichst fähige Arbeitnehmer und vor allem Arbeitnehmerinnen gewinnen kann. Dies ist zumindest in Bezug auf den Dienstleistungssektor richtig. Eine Studie der Bosch-Stiftung zum Thema Zukunft der Arbeit geht davon aus, dass alleine in Deutschland das Erwerbspersonenpotential bis zum Jahr 2030 um 6,1 Millionen Menschen (oder 12% vom jetzigen Stand betrachtet) sinken wird. Natürlich werden in diesem Zeitraum durch die fortschreitende Technisierung auch Arbeitsplätze wegfallen, trotzdem ist es für Unternehmen wichtig, sich um Nachwuchs zu kümmern. Die besten Chancen haben sie hier bei Frauen, die oftmals hochgebildet sind und sich trotzdem um den Nachwuchs kümmern und bei Migranten die teilweise auch gezielt angeworben müssen. Unternehmen stehen somit vor einem Wandel in Richtung Feminisierung und dem Ausbau interkultureller Kompetenzen.

2. Nachhaltigkeitsgedanke
Mit dem Aufkommen der New Economy in den 1990ern wurden viele klassische Theorien der Ökonomie in Zweifel gezogen. Unter anderem wurde die These vom ewigen Wachstum und der Knappheit der Ressourcen in Frage gestellt. Die New Economy geht davon aus, dass für jedes Produkt erst eine kritische Masse an Nachfragern vorhanden sein muss, damit es funktioniert. Güter werden somit nicht mehr künstlich verknappt, um sie interessant und exklusiv zu machen, sondern es werden gezielt Netzwerke um die Produkte herum aufgebaut. Das Motto könnte hier „mehr ist immer besser“ lauten. Klassische Produkte von New Economy Unternehmen sind somit (wenig verwunderlich) vor allem Dienstleistungen im Bereich der Kommunikation. Auch Nachhaltigkeitswerte wie Umweltbewusstsein oder die work-life balance nehmen stetig zu und müssen somit von Unternehmen berücksichtigt werden. Dies wurde in vielen Unternehmen bereits erkannt. In den vergangenen Jahren wurden vielerorts Nachhaltigkeitskampagnen gestartet und Arbeitsverhältnisse (nicht nur, aber auch) zugunsten der Mitarbeiter flexibilisiert.

3. Informations- und Kommunikationstechnologie
Die Funktionsweise der Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnik (IKTs) hat sich seit ihrer Entstehung grundlegend gewandelt. An die Stelle von hierarchischer top-down Kommunikation sind inklusive und interaktive Modelle getreten. Auf Nachrichtenseiten können journalistische Artikel kommentiert und auf Amazon Produktbewertungen abgegeben werden. In Facebook schaffen die Mitglieder durch ihre Kommunikation den Content komplett selbst. Dieser Wandel muss auch in den Unternehmen ankommen. Menschen, die aus ihrer Freizeit gewohnt sind, überall mitsprechen zu können, werden dies im Beruf nicht anders handhaben wollen.
Zudem bringen IKTs auch einen ständigen Wandel von Arbeitsprozessen mit sich. Mitarbeiter müssen an diese sanft herangeführt werden, damit die neue Technik angenommen und verwendet wird. Wenn man die Arbeitsweise innerhalb von Büros der 1960ern mit der von heute vergleicht, wird man nur wenige Überschneidungen finden.

4. Der Beruf wird zur Berufung
Die Generation der nach 1980 Geborenen wird oftmals als „Generation Y“ bezeichnet. Für sie zählt Glück mehr als Geld und die Suche nach Sinn ist wichtiger als Status. Diese Generation will sich durch ihre Arbeit selbst verwirklichen und die Welt ein klein wenig mitformen. Sie ist flexibler als jede Generation vor ihr und in hohem Maße leistungsbereit. Für diese jungen Menschen ist nicht verständlich, warum sie am Arbeitsplatz nicht auch auf Facebook surfen dürfen, wo sie doch zuhause oder in der U-Bahn auf dem Handy Arbeitsmails lesen und beantworten. Feste Präsenzzeiten und ein räumlich definierter Arbeitsplatz machen für sie nur wenig Sinn. Sie wollen ihre Arbeit bei Sonnenschein auch mal im Café mit Internetzugang um die Ecke machen dürfen. Für sie zählt nicht, wie viele Stunden sie gearbeitet haben, sondern welche Leistung sie erbracht haben. Gerade in Hinblick auf diese und die kommenden Generationen von Arbeitnehmern ist es wichtig, Arbeit als etwas Sinnstiftendes zu definieren und wo es geht von festen Strukturen und Vorgaben zu lösen. Eine klare, aus industrieller Zeit stammende, Trennung zwischen Beruf und Privatleben existiert in dieser Form nicht mehr. Dadurch dass Arbeit nicht mehr als etwas Isoliertes und Gezwungenes gesehen wird, wird sie produktiver, effektiver und effizienter.

Wie die Digitale Transformation Arbeitsplätze revolutioniert

Es muss also noch einiges passieren, um den Arbeitsplatz für die Zukunft zu rüsten. Dass viele Menschen das Büro (trotz vorhandener Möglichkeiten) dem Home Office vorziehen zeigt, dass das Büro auch in Zukunft der Platz sein wird, an dem Arbeit passiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen kann man sich, wenn man am selben Ort ist am einfachsten mit Kollegen austauschen. Zum anderen steigen die Beförderungschancen eines Mitarbeiters, wenn der Chef ihn regelmäßig sieht. Gerade die Arbeit in Teams wird deutlich vereinfacht, wenn die Beteiligten die Chance haben, sich direkt auszutauschen. Der Ansatz der Start-Ups scheint somit richtig. Der Arbeitsplatz muss attraktiver werden, denn wo Menschen sich wohlfühlen verbringen sie freiwillig mehr Zeit und sind produktiver.

Ebenso wichtig ist die Menschen nicht mehr am Schreibtisch „festzunageln“. Das Büro ist ein Arbeitsplatz, der angeboten wird. Wenn es jedoch dem Projekt nicht schadet, sollten Mitarbeiter auch die Freiheit haben zuhause oder an einem anderen Ort der Wahl zu arbeiten. In Berufen, die nicht an spezielle Geräte oder Präsenz für Kunden geknüpft sind, kann der Arbeitsplatz überall da sein, wo es auch Internet gibt. Trotzdem werden die Mitarbeiter regelmäßig im Büro auftauchen und dies gut gelaunt und freiwillig.

Die Idee der Wohlfühl-Offices ist somit ein sehr guter erster Schritt. Ebenso wichtig sind jedoch auch andere, weniger greifbarere Dinge. Flache Hierarchien sorgen beispielsweise dafür, dass Verantwortung nicht mehr darüber definiert wird, wie viele Untergebene man hat und wie viele Schritte auf der Karriereleiter man geschafft hat. Viel mehr wird Verantwortung am Produkt definiert und durch Expertise unterfüttert. An Entscheidungen teilhaben kann in flach-hierarchisch strukturierten Teams oder Unternehmen jeder, der das nötige Wissen oder die gefragte Kreativität mitbringt.

Arbeitsräume und Arbeitsträume

Die Zukunft der Arbeit ist somit fest mit der der IKTs verknüpft. Sie geben den Mitarbeitern die Freiheit, ihre Tätigkeit auszuführen, wann und wo sie wollen. Sie brechen althergebrachte Strukturen auf und ändern Prozesse grundlegend. Der Zukunftsforscher Matthias Horx sagte dazu einmal:

Die Ära des Arbeitsplatzes neigt sich dem Ende zu. Platz sagt man im 21. Jahrhundert zu seinem Hund, aber nicht mehr zur Arbeit.

Dieses -zugegeben, sehr polemische- Zitat hat einen wahren Kern. In vielen Berufen der Dienstleistungssparte hat die Digitale Transformation Arbeitsplätze durch Technologie verändert – feste Arbeitsplätze sind überflüssig geworden. Heutzutage braucht man nicht mehr den eigenen Schreibtisch direkt neben dem Aktenschrank, sondern gute Systeme für Dateiverwaltung und Zusammenarbeit. Mitarbeiter müssen die Möglichkeit haben von jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit auf Dateien zuzugreifen. Weiterhin ist es nötig, sich mit den Kollegen digital zu vernetzen. Vereinfacht gesagt, Unternehmen brauchen Systeme, die die Funktionsweise Sozialer Netzwerke erfüllen und alle unternehmensrelevanten Daten enthalten.

Hierfür bieten sich Intranets an. Sie kombinieren Teamvernetzung, Terminplanung und Dateiverwaltung in einem System, das die Mitarbeiter über das Internet bequem abrufen können. Leider arbeiten nach wie vor viel zu wenig Unternehmen mit solchen modernen Intranets. Genau das muss sich ändern, um den Arbeitsplatz (oder vielleicht „Arbeits-Nichtplatz“?!) der Zukunft zu schaffen. Obst und Hängematten sind ein netter Anfang. Um den Arbeitsplatz in die Bedürfnisse der neuen Generation anzupassen reicht es aber nicht aus. Hier müssen echte Veränderungen folgen. Diese sind digitaler Natur. So selbstverständlich es heute bereits ist, dass an Computern geschrieben wird und nicht mehr an Schreibmaschinen, so selbstverständlich muss es auch werden, dass Dateien von überall erreichbar sind und eine Vernetzung mit Kollegen unproblematisch und schnell digital erfolgen kann.

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