Lokale Installationen, z.B. für ein SharePoint Intranet, stehen vor dem Ende. Auf der SharePoint Conference 2014 (SPC14) in Las Vegas gab Microsoft bekannt, dass die Dokumentenverwaltungsplattform in ihrer jetzigen Form nur noch vier bis fünf Jahre weiter bestehen soll. Anschließend soll mit On-Premise, also der lokalen Installation der Software, Schluss sein. Die Zukunft gehört der Cloud. Für Unternehmen, die SharePoint als Intranet einsetzen, wird dies weitreichende Konsequenzen haben.

Microsoft treibt Nutzer in die Cloud

Bisher werden SharePoint-Lizenzen an Unternehmen verkauft, die diese auf ihrer eigenen Hardware installieren und für die Nutzung und gegebenenfalls Wartung Gebühren an Microsoft bezahlen. Nach Willen des Microsoft-Managements soll damit jedoch so schnell wie möglich Schluss sein. Das Unternehmen sieht die Zukunft bei seinem Onlinedienst Office 365. Auf der SPC14 wurde bekannt gegeben, dass der SharePoint Newsfeed schon jetzt nicht mehr weiterentwickelt werden soll. Der Newsfeed ist ein Activity Stream und somit die soziale Vernetzungsfunktion von SharePoint. Mit Yammer und einem noch nicht veröffentlichten sozialen Suchportal, Codename Oslo, können zukünftig soziale Funktionen stärker in Office 365 eingebunden werden. Für Unternehmen mit Sicherheits- und Datenschutzbewusstsein sollten hierbei die Alarmglocken läuten. Microsoft geht somit einen bedeutenden Schritt von On-Premise-Installationen hin zu Cloud-basierten Systemen.

Vorteile nur für Microsoft

Die Vorteile, Kunden in der Microsoft-Cloud zu binden, liegen hierbei für Microsoft klar auf der Hand. Keine Vor-Ort-Installationen bedeuten auch automatisch weniger Anpassungen an verschiedene Hardware und weniger Anbindungsmöglichkeiten für Kunden. Außerdem werden Nutzerdaten somit zukünftig zentral bei Microsoft gelagert und nicht mehr auf unternehmenseigenen Servern in europäischen Ländern. Dazu kommt noch, dass die Software über Office 365 nicht mehr gekauft, sondern nur noch gemietet werden kann, was über längere Zeiträume zu höheren Umsätzen für Microsoft –und somit höheren Preisen für Unternehmen- führt. Das stellt einen elementaren und für viele Nutzer nicht absehbaren Wandel der Unternehmensstrategie dar. Ohne die sozialen Features wie den Newsfeed wird von SharePoint nicht mehr viel übrig bleiben. Auf keinen Fall kann es dann noch als Social Intranet Lösung für Unternehmen dienen. Im schlimmsten Fall ist SharePoint dann nur noch eine Browseransicht für Office-Dokumente.

 

Das Ende des Supports für Windows XP als Lehrstunde

Werbeplakat für Windows 8 in Bonn
Werbeplakat für Windows 8, gesehen in Bonn, Copyright: mixxt GmbH

Wie es mit SharePoint weitergehen könnte, verdeutlicht das Beispiel von Windows XP. Anfang April 2014 wurde der Support für das Betriebssystem und Office 2003 eingestellt. Dies wurde zwar lange zuvor angekündigt und die Fristen wurden mehrfach verlängert, die Tragweite der Konsequenzen war vielen Unternehmen jedoch nicht bewusst. Dies liegt vor allem daran, dass weder ein Umstieg auf Windows 7, noch auf den Nachfolger Windows 8 eine echte Option war. Windows 8 stellte sich in vielen Punkten (zumindest für Benutzer von Geräten ohne Touch-Oberfläche) vor allem zu dem für den Umzug notwendigen Zeitpunkt als Katastrophe dar. Der Umstieg auf das mittlerweile überholte Windows 7 war auch keine echte Lösung, da sich das XP-Problem somit in absehbarer Zeit wiederholt hätte. Am Beispiel Windows XP wird deutlich, wie Unternehmen und staatliche Institutionen von Softwaresystemen abhängig sind oder gemacht werden. Unternehmen waren schlichtweg mit Windows XP gefangen und hatten größtenteils keine Alternative.

Unternehmen sollten sich nach Alternativen zu SharePoint Intranets umsehen

Diese Abhängigkeiten nehmen den Unternehmen Flexibilität und machen es schwer, eine neue Lösung einzuführen und zu etablieren. Durch den Zwang auf ein Cloud-basiertes SharePoint umzusteigen entsteht eine noch umfassendere Abhängigkeit. Unternehmen verlieren die Kontrolle über ihre Daten, da man deutlich weniger Zugriff auf Systeme und Hardware hätte. Spätestens bei diesem gezwungenen Schritt sollte eine neue Evaluation gemacht werden, ob SharePoint auf Dauer die richtige Lösung für ein selbstständiges Unternehmen ist.

Diktatur von Microsoft

Doch hiermit noch lange nicht genug. Auch den frühen Anwendern des Windows 7 Phones zeigte Microsoft, wie wenig sie für ihre Produkttreue belohnt werden. Wer sich bereits früh ein derartiges Gerät zulegte stand schnell vor dem Problem, dass die Geräte mit neuer Software inkompatibel waren und der Support sich als mangelhaft herausstellte. Diese Episode führte natürlich zu Unverständnis und Ärger bei den wichtigen ersten Kunden des Smartphone-Newcomers.

Ein weiteres Beispiel für schlechten Kundensupport ist die Neugestaltung des Office-Pakets. Office 365 kann nicht mehr gekauft, sondern nur noch gemietet werden. Ein Jahresabonnement für Office 365 Home kostet im Microsoftstore 99 Euro. Für Privatkunden, die bisher beim Kauf ihres Computers einmalig ein Office-Paket erworben haben und dieses dann über mehrere Jahre nutzen konnten, stellt das eine gravierende Preissteigerung dar. Gerade für Anwender, die das Produkt nur selten nutzen ist dieser Mehrpreis verschwendetes Geld. Es wird sich hierbei jedoch vor allem um Menschen handeln, denen ein Umstieg auf ein anderes System (wie OpenOffice) eher schwerfallen dürfte. Diese Beispiele zeigen, wie Microsoft Abhängigkeiten schafft, um dann Nutzungsbedingungen und bewährte Prozesse zu verändern und ihre Kundschaft zum Mitziehen zwingt.

Microsoft schnüffelt illegal in Postfächern

Ein weiteres Problem bei Microsofts Cloud-basierten Systemen ist der Datenschutz. Im März wurde bekannt, dass ein früherer Software-Entwickler von Microsoft einen Teil des Codes für Windows 8 vor der Veröffentlichung an einen Blogger weitergegeben hatte. Dieser hat daraufhin einen Screenshot des noch geheimen, neuen Betriebssystems veröffentlicht. Um herauszufinden, wer den Code geleakt (also weitergegeben) hatte, durchsuchte Microsoft illegaler Weise die Hotmail- und MSN-Accounts des Bloggers, um herauszufinden, wer für das Datenleck verantwortlich ist. Microsoft hat durch diese Aktion eigene Datenschutzrichtlinien ignoriert und das Vertrauen in sichere Mail-Accounts gnadenlos zerstört. In diesem Kontext wirkt Microsofts aktuelle Outlook-Werbekampagne, die anlässlich der Integration von Hotmail gestartet wurde, mit dem Slogan „Your email is nobody else’s business“ im besten Fall satirisch.

Hinzu kommt ein weiteres, umfassendes Problem in Sachen Datensicherheit. Aus einem relativ neuen Gerichtsurteil geht hervor, dass Microsoft gezwungen werden kann, Daten an amerikanische Strafverfolgungsbehörden und andere Organe der Exekutive zu übermitteln. Hierzu zählen auch Daten, die nicht in den USA selbst, sondern auf Servern anderswo gespeichert sind. In dem Fall zwang ein New Yorker Gericht das Unternehmen die Daten eines Kunden, die auf irischen Servern gespeichert sind, herauszugeben. Diese Beispiele machen deutlich, dass Unternehmen sich sehr genau überlegen müssen, ob sie ihre Daten in der Cloud des US-Herstellers speichern möchten. Nicht umsonst wird das Safe Harbor Abkommen zwischen der EU und den USA in Frage gestellt, das die Datenübertragung und –verarbeitung für EU-Unternehmen in den USA regeln sollte. Denn die wiederholten Verstöße gegen die Regularien des Safe Harbor Abkommens machen deutlich, dass die USA eben nicht einen mit dem der EU vergleichbaren Datenschutzstandard aufweisen können.

Konsequenzen jetzt ziehen!

Die dargestellten Beispiele sind exemplarisch für Microsofts fragwürdigen Umgang mit Datenschutzbelangen und schlechten Kundenservice. Gerade im Unternehmensbereich müssen Systeme nicht nur praktikabel und übersichtlich sein. Vielmehr muss auch weitgehende Sicherheit der oft sensiblen Firmendaten gewährleistet sein. Sobald SharePoint nur noch als Cloud-Lösung und nicht mehr On-Premise verfügbar ist, kann von Sicherheit und autonomem Umgang mit Daten nicht mehr die Rede sein. Unternehmen sollten nach Möglichkeit von vornherein andere Social-Collaboration-Plattformen wählen oder den Umstieg weg von SharePoint wagen. Nur so kann ein Datenschutzfiasko vermieden werden. Je früher der Umstieg gewagt wird, je mehr Zeit bleibt, um diesen funktional und professionell durchzuführen und die Kollegen mit einem neuen System vertraut zu machen. mixxt und viele andere deutsche und europäische Unternehmen bieten Social Workspaces an, die in der Benutzung und Datensicherheit SharePoint bei weitem überlegen sind. Vor allem in Hinblick auf die zu erwartenden Verschlechterungen bei Microsoft lohnt es sich, diese genauer zu betrachten und umzusteigen. Bei Interesse informieren wir Sie und Ihr Unternehmen gerne. Mehr über den Datenschutz bei mixxt finden Sie hier.
 
 
 
 


Diesen Post Ihren Followern via Twitter empfehlen:


Social Business Trends 2016

Social Business Trends 2016

Die Trends aus dem White Paper:

  • Social Software durch Beobachtung von Nutzerverhalten verbessern
  • Schneller Start – Verbesserung und Optimierung auf Zeit
  • Community Management als unterschätzter Erfolgsfaktor
  • Die Organisation verändern wollen
  • Datensicherheit als wichtiges Kriterium
  • uvm.

 
Bildquelle des Vorschaubildes: mixxt Montage mit Material von Flickr User Dee Young.


 

Diesen Beitrag Ihren Followern bei Facebook und Twitter empfehlen: